15

 

»Verdammt, Jim!«, sagte ich leise zu dem Dämon, der hinter meinem Zwilling in den Raum gekommen war. »Du solltest sie doch mit Einkaufen ablenken!«

»Gegen eine wütende Najade kann auch der beste Dämon nichts ausrichten! Kaum hatte Cyrene gehört, dass der sárkány heute Nachmittag schon stattfindet statt erst morgen früh, wie ihr ein perfider Doppelgänger eingeredet hatte, ist sie sofort nach Hause getobt.«

»Und wie hat sie es erfahren?«, fuhr ich ihn an und kniff ihn ins Ohr.

»Nicht kneifen! Aua! Mann, ich gehe wieder zurück zu Aisling. Sie mag ja ab und zu eine meiner Zehen verlieren, aber sie kneift mich wenigstens nicht dauernd!«

Jim wich zurück, als Kostya auf Cyrene zutrat.

»Du hast hier nichts zu suchen, Najade«, sagte er hochmütig. »Du gehörst zu keiner Sippe, bist kein Drache und vor allem bist du keine Gefährtin.«

»Oh nein«, stöhnte ich leise. »Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt.«

»Man sollte meinen, dass er mittlerweile weiß, was für ein rotes Tuch das für sie ist«, pflichtete Gabriel mir bei.

»Oh!«, brüllte Cyrene und stampfte auf Kostya zu. Es war erstaunlich, wie viel Lärm so ein zierliches Persönchen machen konnte. Sie baute sich vor Kostya auf und musterte die beiden Schlampen neben ihm mit finsteren Blicken. »Das nimmst du sofort zurück! Du weißt sehr wohl, dass ich deine Gefährtin war, bis du dich von Habgier und Geiz hast überwältigen lassen.«

»Ich habe nur meinen gesunden Verstand eingesetzt.« Kostya ballte die Fäuste. »Du bist nicht die Gefährtin eines Wyvern.« Ich beobachtete ihn misstrauisch. Hoffentlich ging er nicht auf Cyrene los. Natürlich ging sie einem auf die Nerven, aber ich würde nicht zulassen, dass er ihr wehtat.

»Ich rede gar nicht davon, die Gefährtin eines Wyvern zu sein«, schrie Cyrene zu meiner Überraschung. Die anderen um mich herum sahen sie ebenfalls erstaunt an.

»Was denn sonst?«, fragte Kostya, und die beiden Models traten drohend einen Schritt auf Cyrene zu.

»Ist es ein schweres Vergehen gegen die Etikette, wenn man die Bodyguards eines anderen Wyvern verprügelt?«, fragte ich Gabriel.

Seine Grübchen zuckten. »Ja, sehr. Bitte, unterdrück dein Verlangen danach.«

Ich seufzte. »In Ordnung, aber dafür will ich Extrapunkte.«

»Ich rede von der Person, die für dich bestimmt ist, du Idiot«, schrie Cyrene und boxte ihn vor die Brust. Er blickte sie stirnrunzelnd an, als sie fortfuhr: »Nicht die Gefährtin eines Drachen, sondern einfach nur deine Gefährtin. Du weißt schon, die Person, die dich liebt und ein paar Jahrhunderte mit dir verbringen möchte. Du hast mir gesagt, du liebst mich! Du hast gesagt, ohne mich könntest du nicht leben!«

Zu meiner Erheiterung wirkte Kostya peinlich berührt. Verlegen blickte er sich im Saal um, während wir alle interessiert zusahen, wie Cyrene ihn abkanzelte.

»Das war in einem privaten Moment«, sagte er leise und bedachte sie mit einem wütenden Blick.

»Ich scheiße auf privat!«, fuhr sie ihn an und stieß ihn erneut vor die Brust. »Du hast mir gesagt, du liebst mich. Du hast gesagt, wir wären füreinander bestimmt. Und dann hat diese blöde Schatzkammer alles ruiniert. Du bist einfach ein Schwein, Kostya! Nein, du bist ein Schweinehund! Ein Schweinehund- Drache, und ich hasse schon deinen Anblick! Ich will dich nie wieder sehen, hörst du? Nie mehr will ich dich wiedersehen!«

Cyrene keuchte, und ihre Augen blitzten, als sie ihn ein drittes Mal vor die Brust stieß.

Kostya starrte sie eine halbe Sekunde lang finster an, dann fluchte er grollend, packte sie und küsste sie. Ungefähr fünf Sekunden lang ging das gut, dann jaulte er auf und hob überrascht den Kopf. An seiner Lippe war Blut.

»Schweinehund!«, knurrte Cyrene.

»Wahnsinniges Wasserflittchen!«, spuckte er sie an.

Ein paar Sekunden lang starrten sie einander an, dann zog Cyrene seinen Kopf zu sich und begann ihn zu küssen.

»Nun«, sagte ich. Ich räusperte mich, aber jeder Kommentar blieb mir im Hals stecken.

Die beiden Models blickten einander fassungslos überrascht an. Dann kniffen sie die Augen zusammen und starrten finster auf Cyrenes Hinterkopf. Kostya hob sie hoch, und Cyrene gab glückliche kleine Laute von sich und schlang ihre Beine um seine Taille.

»Ich bin heilfroh, dass Jim das nicht mitbekommt«, sagte ich zu Gabriel.

Er lachte leise, aber dann wurde sein Gesicht wieder ernst, als Chuan Ren den Raum betrat, gefolgt von zwei roten Drachen. In dem einen erkannte ich ihren gut aussehenden Sohn Jian; der andere war ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte.

Chuan Ren war nicht gerade mein Lieblingsdrache. Äußerlich ähnelte sie einer großen, eleganten chinesischen Puppe mit Porzellanhaut und langem, seidigen schwarzen Haar, aber sie war gemeiner als Magoth und zweimal so tödlich. Mit ihren dunkelbraunen Augen blickte sie sich im Saal um und hielt einen Moment inne, als sie Kostya und Cyrene in ihrem Kuss versunken sah.

»Wo ist Fiat? «, fragte sie, nachdem sie die beiden mit einem Blick voller Verachtung und Abscheu bedacht hatte.

»Er wird hier sein, wenn der sárkány beginnt«, sagte Drake friedfertig.

»Du wirst ihn mir jetzt übergeben«, verlangte Chuan Ren herrisch. »Du warst damit einverstanden, dass ich ihn bestrafen kann, weil er einfach so meine Sippe übernommen hat.«

»Chuan Ren. Ich glaube, meine Gefährtin, May, kennst du bereits?«, unterbrach Gabriel sie und zog mich mit sich, als er auf sie zutrat.

Sie bedachte mich mit einem kalten Blick und wandte dann ihre Aufmerksamkeit ihm zu. »Ja, ich habe sie bereits anerkannt.«

Gabriel wartete einen Moment.

Sie gab einen verärgerten Laut von sieb und wies dann scharf auf ihre beiden Begleiter. »Ich stelle der silbernen Gefährtin meinen Gefährten Li und meinen Sohn Jian vor.«

»Ich freue mich, Sie kennen zu lernen«, sagte ich zu dem Mann, der ihr Gefährte war. Er lächelte und verbeugte sich, ebenso wie Jian.

»Ich freue mich, Sie bei guter Gesundheit zu sehen«, sagte Letzterer und drückte einen Kuss auf meinen Handrücken. »Wir schulden Ihnen viel, weil Sie uns Chuan Ren zurückgebracht haben.«

»Der geborene Diplomat«, sagte Chuan Ren in verächtlichem Tonfall zu ihrem Sohn.

Das überraschte mich gar nicht. Chuan Ren hatte anscheinend das Gefühl, alles im Leben erzwingen zu müssen.

»Hast du wieder die Herrschaft über die roten Drachen angetreten?«, fragte Gabriel sie.

»Hast du daran gezweifelt, nachdem ich aus Abaddon freigelassen wurde?«

Er lächelte. »Ich wusste, dass du es nicht dulden würdest, wenn jemand anderer die rote Sippe regiert, aber du sagtest, du hättest ihn nicht gefunden, um ihn herauszufordern. Er ist nach England zurückgekehrt, während wir ihn in Europa gejagt haben. Wie hast du ihn also für die erneute Herrschaft herausgefordert?«

Sie kniff die Augen zusammen. »Ich brauche diese blöde Herausforderung nicht, um über das zu herrschen, was mir gehört«, zischte sie. »Die roten Drachen gehören mir und niemandem sonst.«

»Was habe ich verpasst? Ich habe Geschrei gehört.« Aisling rauschte in den Saal, Jim auf den Fersen. Als sie Kostya und Cyrene sah, die sich immer noch küssten, blieb sie stehen. »Gütiger Gott.«

»Feuer von Abaddon.« Jim fielen fast die Augen aus dem Kopf. »Am Ende vögelt er sie hier an Ort und Stelle.«

»Schweig, Dämon«, befahl Aisling automatisch. Verwirrt blinzelnd betrachtete sie die Szene.

Sofort war Drake an ihrer Seite und zog sie zu einem Stuhl. »Kincsem, ich habe dir doch gesagt, ich würde dich holen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Du bist viel zu früh. Das strengt dich zu sehr an.«

»Hör auf, mich ständig zu umsorgen«, sagte sie, aber sie blickte ihn liebevoll an, als er sich über sie beugte, um ihr einen Kuss zu geben. »Mir geht es gut. Was ist sonst noch passiert, abgesehen davon, dass Kostya und Cyrene ihre Bedürfnisse erfüllen?«

»Chuan Ren scheint noch nicht formell die Herrschaft über ihre Sippe übernommen zu haben«, sagte ich und beobachtete den roten Wyvern.

Sie schürzte die Lippen. »Gabriel, sag deiner Gefährtin, dass ich mich für sie nicht wiederholen werde. Ich bin der rote Wyvern, und dieses stinkende Miststück Fiat kann daran nichts ändern. Das wirst du sehen, wenn du ihn mir erst einmal gebracht hast, damit ich ihn foltern kann, wie er es verdient hat.«

»Großartig! Ich dachte schon, wir kämen vielleicht zu spät, aber wir kommen gerade noch rechtzeitig zur Folter.« Magoth betrat den Saal. Wie immer trug er seine schwarze, enge Lederhose, dazu ein schwarzes Hemd, das bis zum Nabel offen war, und seine Bullenpeitsche um die Taille geschlungen. Neben ihm stand Catalina, die ein wenig zur Seite schwankte, als ob sie nicht aufrecht stehen könnte.

»Mutter? « Stirnrunzelnd betrachtete Drake seine Mutter und Magoth. »Was ist mit dir?«

Magoth grinste ihn höhnisch an. »Wir hatten eine sehr interessante Nacht. Deine Mutter ist ... äußerst erfindungsreich ... in ihren Vorstellungen von Lust.«

Catalinas Haare waren zerzaust, ihre Kleidung zerknittert, ihr Mund rot und geschwollen, und ihre Augen blickten leer. Sie sah aus, als hätte sie an einer Orgie teilgenommen. »Erfindungsreich«, wiederholte sie benommen.

Drake fluchte leise, als er ihre Bluse zuknöpfte. »Ich habe Besseres von dir erwartet, Mutter. Du siehst aus wie eine lose Frau.«

»Lose.« Sie schwankte leicht, als ob sie jeden Moment umfallen würde.

Magoth packte sie und lehnte sie gegen den Türrahmen. Er rieb sich die Hände. »Was für eine Folter gibt es denn bei dieser Drachenversammlung, hmm? Ich stehe euch gerne als Berater zur Seite.«

»Auf dem sárkány wird niemand gefoltert«, sagte Drake und wies mit der Hand auf seine Mutter. Sofort traten Pál und István zu ihr, um sie herauszubringen.

Das Wort » Folter « schien sie geweckt zu haben.

»Lasst mich los«, sagte sie. »Ich kann alleine gehen.« Sie warf den beiden Drachen einen hochmütigen Blick zu, reckte ihr Kinn und segelte in den Saal.

Alles ging gut, bis sie das verliebte Pärchen entdeckte. Der Anblick schien ihr neue Energie zu verleihen.

»Was ist das denn?«, fragte sie und marschierte zu Kostya und Cyrene. »Wer ist dieser Besen, der am Gesicht meines Erstgeborenen, meines schönen Kostya, saugt? Drake, warum lässt du das zu?«

»Kostya ist alt genug, um so mit den Frauen umzugehen, wie er es für richtig hält«, erwiderte Drake, warf aber seinem Bruder einen bösen Blick zu. »Es wäre mir jedoch lieber, wenn er während des sárkány vom direkten Geschlechtsverkehr absehen würde.«

»Du bist die reinste Spaßbremse«, warf Jim ein.

»Ich bestehe darauf, dass er aufhört!«, sagte Catalina. Sie nickte den beiden Models zu. »Entfernt diese Najade aus den Händen meines lieben Sohnes.«

Die beiden Models zögerten. »Ich wage es nicht, dem Wyvern zu widersprechen«, sagte schließlich eine der beiden.

»Ihr tut, was ich sage«, erklärte Catalina. »Entfernt sie!«

»Das können wir nicht«, antwortete eins der Models und warf dem männlichen Bodyguard einen flehenden Blick zu.

»Wir befolgen nur die Befehle des Wyvern«, erklärte er. In meinen Ohren klang das ein wenig lahm.

Catalina wurde wütend.

»Drake!«, forderte sie. »Tu etwas! Sie erstickt ihn ja.«

»Mutter, ich habe dir doch gesagt, dass deine Anwesenheit, so charmant sie sein mag, beim sárkány nicht erforderlich ist.« Drake trat auf seine Mutter zu, hielt aber kurz inne, weil Magoth versuchte, Aisling in den Ausschnitt zu starren.

Sie zeichnete einen Zauber in die Luft, und der Dämonenlord sprang aufjaulend zurück.

»Du bist offensichtlich im Moment nicht ganz bei dir. Geh wieder auf dein Zimmer und ruh dich aus«, fuhr Drake fort. Er ergriff seine Mutter am Arm und dirigierte sie zur Tür.

»Ich lasse mich von dir nicht so herumschubsen! Ich habe dich doch nicht unter Qualen aus meinem Körper gerissen, damit du mir jetzt vorschreibst, was ich zu tun und zu lassen habe. Madre de dios, sie bringt ihn noch um! Sie saugt ihm das Leben aus dem Körper! Drake! Hör sofort damit auf, mich aus dem Saal zu schieben!« Sie klammerte sich am Türrahmen fest.

»Nur Drachen aus Sippen, die vom Weyr anerkannt werden, dürfen am sárkány teilnehmen«, antwortete Drake und löste ihre Finger vom Türrahmen. »Du bist ein schwarzer Drache, und die schwarzen Drachen sind noch nicht anerkannt. Ich werde dir später erzählen, was passiert ist.«

»Ich dulde das nicht!«, schrie Catalina, als Pál und István sie zur Treppe schleiften.

»Erfindungsreich, aber leider ein bisschen laut«, kommentierte Magoth. Er griff meine Hand und drückte einen nassen Kuss darauf. »Es ist besser, dass sie weg ist. Du siehst entzückend aus wie immer, Gattin. Ich sehe, dein Zwilling veranstaltet eine Orgie. Darf ich hoffen, dass sie während der Folter stattfindet?«

Ich entzog ihm meine Hand, aber die Mühe hätte ich mir sparen können.

Gabriel hob Magoth am Hals hoch und drückte zu.

»May, tu etwas«, keuchte Magoth, dessen Gesicht immer röter wurde.

»Du darfst Gabriel eben nicht reizen«, erwiderte ich. Da ich aber fand, dass Cyrene schon genug Aufsehen verursachte, berührte ich Gabriel am Arm, damit er Magoth losließ.

Er zögerte einen Moment lang, aber dann wurde auch ihm klar, dass es nicht im Interesse des sárkány lag, wenn er Magoth hier erwürgte. Also ließ er ihn los, warnte ihn jedoch: »Wenn du sie noch einmal berührst, entferne ich deinen Fluch.«

»Du kannst ihn nicht entfernen«, erwiderte Magoth unbekümmert, aber als ihm die Bedeutung aufging, erstarrte er. Schützend legte er die Hände vor seinen Schritt. »Gemahlin, eines Tages geht dein Liebhaber zu weit.«

»Hör auf, mich so zu nennen«, warnte ich ihn.

»Deine Anwesenheit ist hier auch nicht erforderlich«, erklärte Drake und wies zur Tür. »Geh.«

»Ich denke nicht daran.« Magoth setzte sich auf einen Stuhl an der Wand.

»Du bist kein Drache. Das hier ist ein sárkány, eine Versammlung des Weyr. Du darfst nicht bleiben«, beharrte Drake.

»Ah, aber meine Gemahlin ist hier, und wo sie hingeht, gehe auch ich hin. So sind die Regeln, und da du es ja damit so genau nimmst, wirst du doch sicher einsehen, dass ich sie befolgen muss.«

Drake warf mir einen fragenden Blick zu.

»Leider ja«, sagte ich und schmiegte mich an Gabriel. »Er hat recht. Die Regeln besagen, dass er jederzeit verlangen kann, bei mir zu sein.«

Drake sagte etwas, das ich hier besser nicht wiederhole, und wandte sich von uns ab, als die Tür aufging und ein sehr gut ausseihender blonder Mann, gefolgt von zwei anderen Männern mit hellbraunen Haaren und strahlend blauen Augen, hereinkam. • Ich bitte tausendmal um Verzeihung für unsere Verspätung. Der Flug hat sich verzögert.«

»Bastian!«, rief Aisling ihm zu. »Wie schön dich zu sehen. War es für dich sehr schwierig, in Fiats Schatzkammer zu kommen?«

»Nein, keineswegs, meine Liebe. Du siehst strahlend schön aus wie immer. Kommt dein Kind bald?«, fragte er und beugte sich über ihre Hand.

Grollend schob Drake ihn beiseite.

Aisling lachte. »Hoffentlich sehr bald. Verzeih Drake bitte, er hat eine Überdosis an Werdender-Vater-Genen.«

»Aber das ist doch verständlich.« Bastian begrüßte Chuan Ren, die ihm kalt zunickte. Dann wandte er sich mit warmem Lächeln an uns. »Die blauen Drachen grüßen Gabriel und seine reizende Gefährtin. May, ich möchte dir Duarte und Godhino, meine Wachen, vorstellen. Und ist das dein Zwilling, der Kostya gerade küsst?«

»Ich glaube, es ist eher umgekehrt, aber das spielt jetzt sowieso keine Rolle. Ja, das ist Cyrene. Achte bitte gar nicht auf sie. Anscheinend wollen sie einen Weltrekord aufstellen«, sagte ich. Ich lächelte den blauen Drachen zu, und sie erwiderten mein Lächeln und zogen sich dann zurück, um mit Maata und Tipene zu plaudern.

»Und das ist ... äh ...« Bastian wusste nicht so recht, wie er Magoth aufnehmen sollte. »Das ist...?«

»Ich bin Magoth, der sechste fürstliche Geist von Abaddon, Herr über dreißig Legionen, Marquis des Ordens der Domination.« Magoth musterte Bastian. »Kennen wir uns?«

Bastian blickte ihn erschrocken an. »Nein, einem Dämonenlord bin ich noch nie begegnet. Abgesehen von Aisling natürlich, aber sie zählt ja nicht, weil sie nicht böse ist.«

»Ja. Aber ich kenne dich«, sagte Magoth. »Mailand im letzten Jahrhundert. Ich war dort zur Premiere eines meiner Filme, und du warst in der Villa nebenan. Du hast versucht, mich zu verführen. Ich ließ dich aber nicht, weil ich damals alle Hände voll damit zu tun hatte, eine gewisse Najade zu bezirzen, die ungewöhnlich lange den Atem anhalten konnte, aber du warst es - da bin ich mir ganz sicher. Naja. Und jetzt bist du Wyvern?«

Bastian wirkte ein wenig verschreckt. »Ich habe dich noch nie zuvor gesehen. Ich hatte niemals eine Villa in Mailand! Meine Villa ist in Santa Cristina!«

»Ich weiß es aber genau!«, beharrte Magoth.

»Es könnte Fiat gewesen sein«, sagte ich nachdenklich. »Ihr seht beinahe identisch aus, obwohl es seltsam ist, dass Fiat sich nicht an dich erinnert hat.«

Magoth stimmte mir grunzend zu. »Als Liebhaber bin ich unvergesslich.«

Das war vermutlich die Untertreibung des Jahrhunderts. »Ich wusste gar nicht, dass Fiat auch auf Männer steht, aber vermutlich ist alles möglich.«

Magoth zuckte mit den Schultern und wandte sich gelangweilt ab. »Als er mir den Antrag machte, hatte er seinen Schwanz gerade in der Frau des Bürgermeisters vergraben, deshalb hält er es wahrscheinlich so wie ich - je nachdem, was ihm im Moment gerade am besten gefällt.« Er drehte sich wieder zu Bastian um, um ihm eine offensichtliche Frage zu stellen.

»Nein«, sagte Bastian rasch, sehr zur Erheiterung seiner Bodyguards. »Ich bin nicht interessiert.«

»Dein Verlust, wie meine süße May dir berichten kann«, erklärte Magoth und blies mir einen Kuss zu.

Gabriel bewegte sich so schnell, dass ich ihn noch nicht einmal sah. Magoth allerdings bekam das Ergebnis dieser schnellen Bewegung zu spüren, als Gabriels Faust auf seiner Nase landete. Magoths Kopf knallte an die Wand. »Entschuldigung«, sagte Gabriel in den Saal und stellte sich wieder neben mich. Maata kicherte. Tipene grinste breit. Ich seufzte. »Ich hatte einen Muskelkrampf, und meine Hand muss Magoth getroffen haben.«

»Ah ja, Muskelkrampf«, sagte ich.

Er zeigte mir seine Grübchen, und einen Moment lang überlegte ich, ob ich es so machen sollte wie mein Zwilling.

»Später, Vögelchen«, sagte er. Anscheinend hatte er schon wieder meine Gedanken gelesen. Er ergriff meine Hand und schob sie unter seinen Arm. »Dann darfst du wieder mit mir tun, was du willst.«

»Genug!«, sagte Chuan Ren herrisch. »Lasst uns mit dem sárkány beginnen, damit ich Rache üben kann an diesem Wurm Fiat.«

Ich blickte Gabriel an. Alle möglichen Gedanken, die auf einem sárkány höchst unpassend waren, gingen mir durch den Kopf.

»Kostya«, sagte Drake zu seinem Bruder.

Weder Kostya noch Cyrene unterbrachen ihren epischen Kuss.

»Konstantin Fekete«, sagte Drake lauter. Als Kostya immer noch nicht reagierte, stieß er ihn fest an und sagte leiser: »Du liebe Güte, Kostya, wir haben genug gesehen. Reiß dich zusammen. Der sárkány fängt jetzt an.«

Mühsam löste sich Kostya von Cyrene und blickte seinen Bruder benommen an. »sárkány?«, fragte er.

»Ach, Kostychen«, gurrte Cyrene und ließ sich an seinem Körper heruntergleiten, bis sie wieder auf ihren Füßen stand. »Ich wusste doch, dass ich dir etwas bedeute. Ich wusste es einfach. Du gibst es zu, nicht wahr? Du liebst mich mehr als irgendeine blöde Schatzkammer.«

Kostyas Miene wurde finster. Röte stieg ihm in die Wangen, als er sich im Saal umblickte. »Äh ... ich war kurz abgelenkt. Ich entschuldige mich für mein Verhalten.«

»Oh nein, so kommst du mir nicht davon«, sagte Cyrene und packte ihn an seiner schwarzen Tunika. »Du musst es vor Zeugen sagen. Was ich die letzten Tage durchgemacht habe, möchte ich nicht noch einmal erleben. Sag es jetzt!«

»Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, Frau.« Kostya löste Cyrenes Finger von seiner Tunika.

»Aber natürlich. Sag es.«

»Der sárkány beginnt jetzt. Um unsere persönlichen Angelegenheiten kümmern wir uns später«, beharrte Kostya. Er ergriff Cyrenes Hand und zog sie zu einem Stuhl an der Wand. Er schubste sie auf den Stuhl und trat dann an den Tisch.

»Ich denke ja nicht daran! Sag es!« Erneut baute sie sich vor ihm auf. »Sag es! Sonst werde ich dich vernichten!«

»Das kannst du nicht«, erwiderte Kostya lächelnd. »Diese Macht besitzen Najaden nicht.«

»Oh nein«, mischte ich mich ein. Mir wurde auf einmal klar, welche Richtung dieses Gespräch nahm. »Cyrene, ich bin ja nicht gerne einer Meinung mit Kostya, aber wirklich, ein anderer Zeitpunkt wäre echt geeigneter.«

Gabriel wusste sofort, auf was ich hinauswollte. »Ich stimme mit meiner Gefährtin überein. Ein anderer Zeitpunkt, Cyrene.«

»Du glaubst wohl, du weißt alles, was?« Cyrene musterte Kostya finster. »Nun, das weißt du nicht.«

Ich ließ Gabriels Hand los und eilte zu meinem Zwilling. Magoth hatte meinen besorgten Blick anscheinend mitbekommen, denn er erhob sich und beobachtete mich. »Cy, dies ist wirklich kein guter Zeitpunkt. Du kannst Kostya später davon erzählen, wenn alle weg sind, okay?«

Sie bekam überhaupt nicht mit, wie ich »alle« betonte.

»Hör auf, an mir herumzuzerren«, fuhr sie mich an und riss sich los. »Und hör auf, mich mit diesem Schweinehund in Verbindung zu bringen!«

»Hör auf, mich so zu nennen!«, brüllte Kostya. »Es ist unpassend, und du bist völlig außer Kontrolle.«

Cyrene breitete die Arme aus, und schwarze Funken schlugen aus ihren Fingerspitzen. Die beiden Model-Bodyguards wichen schreiend zurück. »Ich zeige dir, wer hier außer Kontrolle ist!«

»May!« Der Wutschrei ließ das gesamte Haus erzittern.

Ich schloss einen Moment lang die Augen, dann öffnete ich sie wieder. Gabriel blickte mich mitfühlend an. »Zu spät«, sagte ich zu ihm.

Er lächelte. »Du kannst dich immer noch verwandeln und ihn k.o. schlagen.«

»Das ist meine Macht!«, brüllte Magoth so laut, dass die Fensterscheiben bebten. Drake stellte sich schützend vor seine Frau und warf Magoth böse Blicke zu. »Sie hat meine Macht! Diese ... Diese ...«

Wütend ging Cyrene auf Magoth los. Golden gesäumte schwarze Blitze zuckten aus ihren Fingerspitzen, eine Manifestation ihrer dunklen Macht. »Diese was?«

»Das ist meine Macht!«, knurrte er und trat auf sie zu. »Du hast sie gestohlen! Bei den Reichen, über die du herrschst, du wirst sie mir zurückgeben, oder ich werde dich in die Erde stampfen!«

»Hol Nora«, sagte Aisling und zupfte an Drakes Ärmel. Er erwiderte nichts, sondern nickte Pál zu, der mit István zurückgekehrt war. Pál lief hinaus.

»Ich habe gar nichts gestohlen«, kreischte Cyrene, die auf einmal Angst bekam, obwohl sie über so große Macht verfügte. Sie riss die Augen auf, als Magoth drohend auf sie zutrat, und das schwarze Glühen zwischen ihren Händen zerrann zu nichts. »May hat sie mir gegeben!«

Magoth wirbelte herum und bedachte mich mit einem Blick, der mich erstarren ließ. »Zu dir komme ich später noch, Sklave.«

»Das ist gar nicht gut«, murmelte ich zu Gabriel. Er legte den Arm um mich und funkelte Magoth wütend an, bis dieser sich wieder zu Cyrene umdrehte.

»Gib sie zurück, und ich lasse dich am Leben«, sagte Magoth.

Cyrenes Blick flackerte unsicher zu mir. »Ich ... ich ... Das würde May nicht gefallen.«

»Nein, aber es gefällt mir auch nicht, dass Magoth dir droht.

Wenn du dich unbedingt mit jemandem anlegen willst, Magoth, dann hör auf, Cyrene einzuschüchtern und wende dich mir zu. Sie hat keine Ahnung, wie sie deine Macht zurückgeben soll, und selbst wenn sie es wüsste, würde sie es nicht tun.«

Langsam drehte sich Magoth wieder zu mir um. Seine Augen loderten schwarz vor Rachsucht.

Sofort stand Gabriel vor mir. Kampfbereit hielt er das Schwert des Zorndämons in der Hand.

Gerade als Magoth sagte: »Glaubst du etwa, du kannst mich mit einem jämmerlichen Schwert aufhalten, Drache?«, kamen Pál und Nora herein.

Gabriel hob das Schwert. »Probier es aus.«

Ich war mir ziemlich sicher, dass Magoth, obwohl er kaum noch über Macht verfügte, so außer sich vor Wut war, dass er bestimmt an Gabriel vorbei auf mich losgegangen wäre. Glücklicherweise begriff Nora die Situation sofort und belegte ihn mit einem Bindezauber.

Knurrend spuckte er Flüche aus, und sie verstärkte den Zauber rasch.

»Es tut mir leid, Drake, aber ich brauche Aislings Hilfe. Das habe ich noch nie zuvor getan«, sagte sie kurz darauf.

Drake wollte protestieren, aber Aisling ergriff ihn am Arm und zog sich hoch. »Dann mal los, Nora. Drake, schau mich nicht so finster an - dir bleibt sonst das Gesicht noch stehen. Du kannst mich ja festhalten, während wir das machen.«

Magoth begriff sofort, was sie vorhatten, und wandte sich wutschäumend an mich.

»Gemahlin!«, brüllte er. »Ich werde dich mit mir nehmen! Bei allem, was unheilig ist, das schwöre ich dir - für diesen Verrat wirst du bezahlen!«

Ich schmiegte mich an Gabriel, um mir Kraft von ihm zu holen. »Das wird jetzt nicht schön.«

Seine Lippen legten sich warm auf meine, und er sagte: »Ich kann es aufhalten.«

»Nein. Es ist wirklich der einzige Weg. Ich hoffe nur, dass Nora schnell ist, weil Magoth weiß, dass er nur sehr wenig Zeit hat, um seine Bestrafung durchzuführen, bevor ich wieder zurückgerufen werde.«

»Gibt es keine andere Möglichkeit?«, fragte Gabriel und leckte meine Lippen mit seinem Drachenfeuer.

»Nein. Sag ihr nur, sie soll sich beeilen. Okay?«

Magoth schrie, ein schreckliches Geräusch, bei dem zahlreiche Gläser im Saal zersprangen.

»Ich bin so froh, dass unsere Fensterscheiben dämonensicher sind«, sagte Aisling. Immer höher schraubte sich Magoths Schrei und bohrte sich in meinen Kopf.

Ich umfasste Gabriels Kopf und zog ihn dicht an mich heran, um so viel vom Drachenfeuer aufzunehmen, wie ich konnte. Ich ließ mich davon einhüllen, und es waberte um uns herum.

»Geh in die Schatten, Vögelchen«, war das Letzte, was ich hörte, als Magoth, der von Nora und Aisling nach Akasha verbannt worden war, mich an seine Seite rief.

Ich schlug auf dem Boden auf und wurde instinktiv zum Schatten, aber Magoth sammelte die geringe Macht, die ihm noch geblieben war, und zerrte mich so wieder zurück.

»Hast du etwa geglaubt, entkommen zu können?«, knurrte er. Seine schwarzen Augen glühten.

Nora würde ungefähr drei Minuten brauchen, um mich wieder zurückzuholen. Ich musste also lange genug am Leben bleiben, damit sie überhaupt noch etwas zum Zurückholen hatte. Darauf gab es nur eine Antwort - ich verwandelte mich in meine Drachengestalt und schlug mit dem Schwanz nach Magoth.

Interessant an Akasha ist, dass es außerhalb der Realität liegt. Was also in der realen Welt gilt, gilt in Akasha nicht unbedingt.

Obwohl Magoth die meiste Macht genommen worden war, war das Wenige, was er noch besaß, in Akasha unendlich verstärkt. Er konnte sich zwar nicht selbst befreien, aber er war wesentlich mehr als in unserer Realität.

Ich gab alles, was ich hatte, in den Schlag gegen ihn und erwartete eigentlich, dass er ihn umwarf. Aber nichts passierte. Er packte meinen Schwanz, als ich nach ihm schlug, und schleuderte mich gute fünfzehn Meter weit auf die Felsen. Ein paar Sekunden lang war ich bewusstlos.

Als ich wieder zu mir kam, war ich wieder in menschlicher Gestalt und Magoth hockte über mir und zielte mit meinem Dolch auf meine Brust.

»Zuerst werde ich dir das Herz herausschneiden und langsam unter meinem Absatz zermalmen. Dann werde ich dir jedes Glied einzeln abhacken, langsam, damit du auch alles spürst; und dann werde ich deine Schlagadern öffnen, damit du den exquisiten Moment fühlst, wenn dein Gehirn kein Blut mehr bekommt. Und ich werde dein Blut von deinem Dolch lecken. Dein letzter Gedanke wird sein, dass ich dich vernichtet habe, so wie ich dich erschaffen habe.«

»Du warst schon immer so ein Blödmann«, sagte ich zu ihm. Jedes Atom in meinem Körper schmerzte. »Genau wie jetzt. Du hast immer schon jede einzelne Szene übertrieben.«

»Cunnus«, knurrte er und stieß mir den Dolch ins Herz.

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